Presse 2012

„Der Kauf von Premiumhandelsmarken im Lebensmitteleinzelhandel“

Annett Wolf siegt beim 12. Wolfgang Wirichs Förderpreis Handel

Krefeld.   Professorin Dr. Annett Wolf ist die 12. Preisträgerin des „Wolfgang Wirichs Förderpreis Handel“. Mit ihrer Doktorarbeit „Der Kauf von Premiumhandelsmarken im Lebensmitteleinzelhandel – eine verhaltenstheoretische Analyse“ überzeugte die Wissenschaftlerin von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg die Jury.

Der „Wolfgang Wirichs Förderpreis Handel“ zeichnet Menschen aus, deren Arbeiten zu neuartigen Poblemlösungen für den Handel führen.

Der „Wolfgang Wirichs Förderpreis Handel“ zeichnet Menschen aus, deren Arbeiten zu neuartigen Problemlösungen für den Handel führen. Die Stiftung und ihr Förderpreis gehören in Deutschland zu den bedeutendsten im Bereich des Handels. Sie genießen in Wissenschaft und Praxis hohe Reputation. Wissenschaftlicher Berater des Kuratoriums ist Professor Dr. Hans-Otto Schenk. Die Stiftung hat ihren Sitz in Krefeld.

Beeindruckende wissenschaftliche Leistung

„Bei der Dissertation von Annett Wolf handelt es sich um eine beeindruckende wissenschaftliche Leistung mit großem Erkenntnisfort-schritt“, sind sich der Betreuer, Prof. Dr. Dirk Möhlenbruch von der Martin- Luther-Universität, und das Stiftungskuratorium einig. „Wir freuen uns sehr, mit Annett Wolf und ihren Untersuchungen eine ausgezeichnete Preisträgerin im Sinne des Wolfgang Wirichs Förderpreises gefunden zu haben“, betont Dr. Siegfried Rauhut, Vorsitzender der Wolfgang Wirichs Stiftung. „Ihre Arbeit ist eine gute Anregung, ökologisch orientierte Handelsmarken auch in anderen Branchen einzuführen.“

„Mein Vater, der Gründer dieser Stiftung, hätte heute einmal mehr Anlass zu großer Freude gehabt. Er hätte die Arbeit von hinten nach vorn gelesen – um die Ergebnisse zu sehen, die sich daraus in praktischen Handlungsempfehlungen ableiten lassen“, erläutert Anne Wirichs-Doetsch, Vorsitzende des Kuratoriums. „Denn Handelsmarken waren zu seiner Zeit gerade erst aufgekommen – und Premiumhandelsmarken gab es noch nicht.“ Anne Wirichs-Doetsch weiter: „Die Arbeit ist topaktuell. Ich bin sicher, dass sich unsere Händler ganz genau mit diesem Thema befassen werden.“

Kombination von Waren- und Dienstleitungsangebot

Im Zentrum jedes erfolgreichen Handelsunternehmens steht nach wie vor eine verbraucherorientierte und geschickte Sortimentspolitik. Weder Schnäppchenpreise noch mehr oder weniger suggestive Werbeslogans sind die nachhaltigen Erfolgsgaranten im Wettbewerb, sondern die Kombination von differenziertem, originellem und individualisiertem Waren- und Dienstleistungsangebot, also das jeweilige Sortiment. Die Trägerin des diesjährigen Förderpreises Handel der Wolfgang Wirichs Stiftung, Annett Wolf, hat dieses wichtigste Entscheidungsfeld des Lebensmitteleinzelhandels für ihre grundlegenden Untersuchungen ausgesucht.

Sortimente im LEH haben sich stark angenähert

Gerade im Lebensmitteleinzelhandel haben sich die Sortimente stark angenähert. Man spricht schon von einer Austauschbarkeit der Sortimente. Das ist für den Lebensmittelhandel in mehrfacher Hinsicht nachteilig: Konforme Sortimente mit überall gleichen Herstellermarken („Markenartikel“) verschärfen den ohnehin ausgeprägten Preiswettbewerb; sie mindern die Chancen der Kundenbindung und der Ladentreue, und sie bedeuten einen Verzicht auf Profilierung bzw. Imagegewinn. Einen Ausweg aus dieser Situation bieten Handels- oder Eigenmarken. Die Trägerin des Wolfgang Wirichs Förderpreises betrachtet in ihrer ausgezeichneten Arbeit jedoch ein besonderes, relativ neues Terrain: die sogenannten Premiumhandelsmarken.

Chancen der Premiumhandelsmarken

Sie prüft die Chancen, die sich mit Eigenmarken des Handels im oberen Qualitäts- und Preissegment auftun. Annett Wolf geht aber noch einen Schritt weiter: Sie untersucht die Chancen und Risiken von ökologischen beziehungsweise biologischen Premiumhandelsmarken. „Damit erfüllt sie die Zielsetzung des Wolfgang Wirichs Förderpreises Handel in besonderem Maße, nämlich für die Praxis bedeutsame Innovationen zu untersuchen“, betont Anne Wirichs-Doetsch. Dabei ermittelte die Preisträgerin ihre Ergebnisse nicht nur in der Theorie, sondern befragte Konsumenten an sechs unterschiedlichen Einkaufsstätten in unterschiedlichen Bundesländern. Bio-Erzeugnisse haben in den Regalen des Lebensmitteleinzelhandels längst ihren Platz gefunden. Dennoch stehen Versuche mit hochwertigen Bio-Eigenmarken noch am Anfang einer Entwicklung. Und diese Entwicklung ist in Anbetracht immer umwelt- und ernährungsbewusster werdender Konsumenten vielversprechend.

Nutzen für die Handelspraxis

„Bei der Bewertung der eingereichten Arbeiten fragen wir nach alter Kaufmannsart: Nützt die Arbeit der Handelspraxis? Und wir beantworten diese Frage bei der Arbeit von Annett Wolf mit einem klaren Ja“, erläutert Dr. Siegfried Rauhut die Entscheidung der Stiftung. Mit Annett Wolf wird eine junge Wissenschaftlerin ausgezeichnet, die ihr Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg absolvierte. Seit 2010 hat sie bereits eine Vertretungsprofessur für Marketing und Strategische Unternehmensführung an der Berliner Hochschule für Technik und Wirtschaft übernommen. „Der Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg unter Prof. Dr. Dirk Möhlenbruch stellt mit Annett Wolf zum vierten Mal eine unserer Preisträgerinnen“, freut sich Anne Wirichs-Doetsch. „Damit zeigt sich einerseits, dass diese Universität nicht nur ausgezeichnete Wissenschaftler hervorbringt, sondern auch – im Sinne unseres Förderpreises – ein Ideenschmiede für gute und innovative Handelsaktivitäten darstellt.“ Für Annett Wolf ist 2012 ein ereignisreiches Jahr. Denn neben dem Gewinn des Wolfgang Wirichs Förderpreis Handel erhielt sie den Ruf an die Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin. Sie wird dort als Professorin für Betriebswirtschaftslehre ihre wissenschaftliche Arbeit weiterführen.

Wolfgang Wirichs Förderpreis Handel

Stiftung und Förderpreis sind nach Wolfgang Wirichs (1922-2005) benannt, der als einer der Pioniere im Einzelhandel gilt. Er übernahm das von seinem Großvater 1886 gegründete Unternehmen und fügte – als erster Lebensmittelhändler Deutschlands – weitere Unternehmenszweige (Baumärkte und Gartencenter) erfolgreich hinzu. Anlässlich seines 70. Geburtstages wurde die Stiftung 1992 ins Leben gerufen. „Seine Lebensmaxime war: Erfolgreich kann man nur mit gut ausgebildeten und hoch motivierten Mitarbeitern sein“, berichtete Anne Wirichs-Doetsch, Vorsitzende des Kuratoriums der Wolfgang Wirichs Stiftung, über ihren Vater.

Preisträger der vergangenen Jahre

Alle mit dem Wolfgang Wirichs Förderpreis ausgezeichneten Personen und Institutionen haben bedeutende Beiträge zur Innovation im Handel sowie zur Wissensmehrung in Praxis und Wissenschaft des Handels geleistet.
Ausgezeichnet wurden bisher:
  • Berufskolleg der Kaufmannschule, Krefeld (2001 und 2005)
  • Dr. Iris Müller, Nürnberg, „Die Entstehung von Preisimages im Handel“ (2002)
  • Europäische Fachhochschule, Brühl (2003 und 2005)
  • Guido Palmersheim, Köln, „Beschwerde-Management“ (2004)
  • Institut für Markt- und Wirtschaftsforschung, Berlin (2005)
  • Benedikt Bartmann (Universität des Saarlandes), „Orientierungsverhalten im Einzelhandel“ (2006)
  • Klaus Helnerus (Universität zu Köln), „Die teure Lücke im Regal“ (2006)
  • Steffen Dölling und Falk Ritschel (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg), „Interaktives Kundenbindungsmanagement im Handel“ (2007)
  • Katia Allexi (Universität zu Köln), „Entstehung von Preisimages im Handel – unter besonderer Berücksichtigung von Eckartikeln“ (2008)
  • Dr. Madlen Boslau (Universität Göttingen), „Kundenzufriedenheit mit Selbstbedienungskassen im Handel“ (2009)
  • Dr. Carmen-Maria Albrecht (Universität Mannheim), „Einkaufsstress – Messung, Determinanten und Konsequenzen“ (2010)
  • Dr. Ulf-Marten Schmieder (Martin-Luther-Universität Halle-Witten-berg, „Integrierte Multichannel-Kommunikation im Einzelhandel“ (2010)
  • Dr. Eva Stüber (Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) Cottbus „Kaufempfehlungen als Personalisierungsansatz im Internethandel – Eine experimentelle Analyse der Akzeptanz am Beispiel der Bekleidungsindustrie“ (2011)